Donnerstag, 24. Mai 2012

Es wird besser in der Politik


Fast zwei Jahre ist es her, dass Amerika der Atem stockte: mehrere Teenagerselbstmorde als Folgen von Homophobie gingen durch die Presse. Es war Zeit zu handeln. So wurde das „It gets better“-Projekt geboren, eine internetbasierte Plattform, deren Ziel es ist LGBTI-Jugendlichen Mut zu machen. Es fängt Stimmen von Betroffenen ein und hat prominente Unterstützerinnen, die sich gegen Homo- und Transphobie aussprechen. Darunter sind z.B. Gloria Estefan, Justin Bieber, Ellen DeGeneres, Tom Hanks oder Lady Gaga.
Und auch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, vermittelte bereits 2010, dass es besser werden wird. Die Zukunft ist jetzt. Mittlerweile hat sich Obama dazu bekannt, die Homoehe (in Gleichstellung zur herkömmlichen Eheschließung und nicht in Form einer Zivilpartnerschaft) zu unterstützen. Der Satz „I think same-sex couples should be able to get married.“ wird in Amerika wohl ähnlich viel bewegen wie „Ich bin schwul und das ist auch gut so!“ Obamas Stellungnahme ist besonders brisant, da den Staaten erneut Wahlen bevorstehen.
Trotz Amerikas Status als Weltmacht ist das Land doch recht weit weg von uns. Gut also, dass „It gets better“ auch in Europa Fuß fasst.
Kürzlich bin ich auf folgendes Video aufmerksam geworden, in dem Mitglieder des Europaparlaments sich zu Wort melden. Viele äußern sich in ihrer Muttersprache, aber nicht nur Linguisten werden ihre Freude an dem Clip haben.

Auch speziell in Deutschland gibt es mittlerweile einen Ableger der Kampagne. Näheres dazu findet ihr auf http://www.eswirdbesser.org/ und speziell deren Youtube-Account.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Die Rumba


Eines Nachts um kurz nach drei
Schaut Paul in Emmis Garten vorbei.
Wie sie doch das Schicksal traf:
Genau wie Paul wandelt sie Schlaf.

In beider stillem Einvernehmen
Beginnen sie ohne sich zu schämen
Eine Rumba erster Güte.
Zertreten dabei fast jede Blüte.

Drehn sich heiß im Mondesschatten
Dachten, sie wärn einander Ehegatten.

Dienstag, 22. Mai 2012

Kohlenstofflebensformen


Passend zum kürzlichen GCT (und zum jüngsten Queergelesen) möchte ich euch heute einen Comic von Alison Bechdel vorstellen: „Lesben und andere Lebensformen auf Kohlenstoffbasis“. Es ist der bisher zuletzt erschienene Band in deutscher Übersetzung um Mo und ihre Freundinnen.
Mo, die Frau, die von ihrer zeichnenden Erschafferin zum dauerhaften Tragen von gestreifter Oberbekleidung verdammt ist, arbeitet in dem unabhängigen Frauenbuchladen Madwimmin Books. Viel kommt dabei nicht rum, wohingegen ihre Partnerin Sydney etwas freigiebiger mit ihren Einkünften sein kann. Für beide geht es daher immer wieder um die berufliche Zukunft. Wird Sydney einen Posten als Professorin an der Uni erhalten, wo sie promoviert? Ist der neue, riesige Internetversandhandel eine zu große Bedrohung für Madwimmin Books? Ist der Job überhaupt das, was Mo bis ans Ende ihrer Tage machen möchte?
Darüber hinaus schneidet Bechdel vielfältige Themen an. Ein Fokus scheint mir auf der Entwicklung von Langzeitbeziehungen zu liegen. Wie sieht es aus, wenn die Leidenschaft verpufft? Ist das ein schlechtes Zeichen oder einfach nur Alltag? Es geht um das Familienleben mit einem Kind, Ungleichgewichte in Beziehungen, Workaholismus, Depression und Wechseljahre, die eine Partnerschaften auf die Probe stellen können. Daneben spielen aber auch neue Liebschaften eine Rolle, wie z.B. die von Ginger, die Jasmin kennen lernt und schockiert ist, als sie feststellt, dass sie bereits ein Kind hat. Ist sie bereit für eine feste Bindung jenseits der Spaßgeneration? Ernste Entwicklungen nimmt auch die Beziehung von Sparrow an, die von ihrem Radikallesbendasein in eine Heterobeziehung gerutscht ist und nun auch noch schwanger geworden ist.
Anhand der Freundschaft von Mo und Lois zeigt Bechdel eindrucksvoll, dass auch innerhalb der LGBTI-Community Intoleranz existieren kann und einzelne Gruppe ausgegrenzt werden können. Homophobie und Transphobie sind nämlich zwei Paar Schuhe, wie wir begreifen, als Mo immer wieder ablehnend auf Lois’ anfängliche Scherze über eine Geschlechtsangleichung reagiert. Davon angestachelt macht Lois munter weiter und rutscht von den Scherzen auf standfeste Vortäuschung. Dabei läuft doch in Wirklichkeit gar nicht mehr als gelegentliche Dragking-Auftritte. Kann das gut gehen?
In all diesen locker miteinander verbundenen Episoden steckt wie immer eine gehörige Portion zeitpolitischen Geschehens aus den USA. Es geht um Wahlen, die verschiedenen politischen Einstellungen der Protagonistinnen und kulturell und politische Entwicklungen (immer wieder in Zeitungsüberschriften angedeutet). Höhepunkt dessen ist die Verarbeitung von 9/11, die Debatten über Amerikanismus nach sich zieht.
„Lesben und andere Lebensformen auf Kohlenstoffbasis“ ist ein vielseitiger Comicband, der unendlich viele Themen vereint und verbindet. Dabei besteht immer die Gefahr, angesichts dieser Themenvielfalt nur auf der Oberfläche zu kratzen. Sicher wäre es hier und da interessant gewesen, noch mehr in die Tiefe einzudringen und noch mehr Emotionen einzufangen. Dennoch, finde ich, gelingt es Bechdel ausgezeichnet, Gedankengänge anzustoßen, Sympathien für die Figuren hervorzurufen und dabei meisterlich zu unterhalten.
Fazit: I just can’t get enough.
Geeignet für: Alle, die auf der Suche sind nach einer hochkarätigen, politischen und emotionalen Seifenoper aus und über die Community.
Mehr hier.

Montag, 21. Mai 2012

Rückblick GCT


Der Gratiscomictag, über den ich bereits im Vorfeld informiert habe, ist mittlerweile vorbei. Ich hoffe, ihr habt alle die Gelegenheit genutzt, euch mit dem ein oder anderen Comic zu versorgen. Ich habe mir einige, freilich nicht alle, zu Gemüte geführt und möchte euch nun zwei vorstellen, die ich ganz besonders gelungen fand.
Quelle: gratiscomictag.de
Zum einen wäre das „Zuckerfisch on the rocks“. Diese Ausgabe ist eine Art Best-Of Zuckerfisch, eine Reise durch die Zeit, die verschiedene Zuckerfisch-Strips aus 10 Jahren abbildet. Es sind halbautobiografische Strips der Zeichnerin Naomi Fearn, die regelmäßig in der Stuttgarter Zeitung veröffentlicht werden (sowie in gesammelter Form als Bücher im Zwerchfell Verlag; Band 7 „on the rocks“ ab Juni erhältlich).
Es geht darin um Alltag zusammen mit ihrem Haustier (oder Mitbewohner), dem schwulen Hasen „Hase“ (der übrigens im Laufe der Strips auch das süße Bunny Steffen kennenlernt) und anderen (realen) Freunden von Fearn. Es geht um menschliche (oder häsische) Marotten, Abgründe, Alltagsbeobachtungen und Liebeleien. Kein noch so triviales Thema ist vor Fearn sicher. Was sie daraus macht, reizt zumeist das Zwerchfell bis aufs Äußerste. Ich bin mir sicher, dass mich meine Nachbarn lachen gehört haben, als ich „Zuckerfisch on the rocks“ gelesen habe. Dank des GCT bin ich auf diese tolle Zeichnerin aufmerksam geworden!
An dieser Stelle auch der Hinweis, dass Fearn ihre Comics auf ihrem Blog veröffentlicht. Bitte mit Vorsicht und Bedacht besuchen weil absolut süchtigmachend!
Quelle: gratiscomictag.de
Der zweite Comic, den ich hervorheben möchte, ist das fabelhafte Fräulein Rühr-mich-nicht-an („Fräulein Rühr-mich-nicht-an, Band 1 Die Jungfrau im Freudenhaus“). Die vierbändige Reihe aus dem Französischen ist von Kerascoët (das ist der Künstlername des Duos Marie Pommepuy und Sébastien Cosset) und Hubert. Die Handlung spielt im Paris der 1930, wobei die Atmosphäre (Wirtschaftskrise & Jazz-Ära) wunderbar Einzug in den Comic gefunden hat. Es geht um Blanche, die im Verlauf der Geschichte den Spitznamen Fräulein-Rühr-mich-nicht-an erhält. Was wie ein Witz klingt, ist eine bittere Kriminalgeschichte. Blanches Schwester Agathe wird Opfer eines Mordes. Während die Spuren einen Selbstmord vermuten lassen, weiß Blanche, dass es keiner war. Zu dieser Zeit grassiert der sogenannte Schlächter der Guinguettes in Paris und tötet junge Frauen. Blanche ist sich sicher, dass es einen Zusammenhang geben muss und da kurz nach ihrer Schwester auch eine Prostituierte ermordet wird, nimmt sie die Spur auf. Sie landet in einem Edelbordell, teils zur Recherche, teils weil sie auf der Suche nach Arbeit ist (nach dem Tod ihrer Schwester verlor sie ihre Anstellung als Zimmermädchen). Weil sie noch Jungfrau ist und keinen Mann an sich heranlassen will, bekommt sie fortan die ‚besonderen Fälle’. Als Domina teilt sie Schläge aus – durchaus zur Zufriedenheit der Kunden. Im Band eins geht es um das Zusammenleben der Frauen im Bordell. Blanche lernt andere Exoten kennen, macht sich Feinde und nimmt erste Recherchen zum Mordfall auf. Zur Aufklärung kommt es in Band eins natürlich noch nicht. Diese Taktik ist ein kleiner Geniestreich, denn ich war so sehr von Blanches Geschichte gefesselt, dass ich den Comic erst weglegen konnte, als ich ihn ausgelesen hatte und nun lechze ich praktisch nach den Nachfolgebänden.
Weitere Infos zum Fräulein, Bestellmöglichkeit und Leseprobe sind auf der Verlagsseite von Reprodukt zu finden.
Mit diesen zwei Schätzchen war der diesjährige GCT (mein erster) für mich ein voller Erfolg! Weiter so!


Mittwoch, 16. Mai 2012

Dyschromatopsie


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Rot oder grün? Ich sah nach links und rechts in der Hoffnung, jemanden zu finden, der mir helfen konnte, aber ich wusste, dass niemand außer mir in Frage kam. Ich spürte den Schweiß, der meine Stirn hinunter rann. Rot oder grün? Wenn es Pesto wäre, würde ich rot wählen, wäre es eine Ampel, würde ich grün bevorzugen.
Ich sah auf die Digitalzeitanzeige, die mit dem Apparat verbunden war. Zwei Minuten waren noch übrig. Ich musste mich beeilen. Okay, gehen wir’s noch mal durch. Dieses Modell war ein Alphatrinitrix12 und ich habe Hebel C umgelegt, woraufhin ich Knopf Y gedrückt habe. Jetzt waren die Kabel dran. Ganz bestimmt. Nur diese eine Entscheidung. Ich setzte die Zange am grünen Kabel an. Es müsste das grüne sein.
Ich habe bis jetzt nie voll und ganz verstanden, was für eine Bürde dieser Job wirklich ist. Es war, als wäre ich eine Göttin, die über Leben und Tod entschied, einschließlich meinem eigenen. Ich erinnerte mich an die großen Plakatwerbetafeln von der Regierung. Darauf waren zwei Kabel, ziemlich genau wie die beiden hier. „Hassen Sie Feuerwerk? Dann sind Sie unser Mann / unsere Frau! Lernen Sie das Handwerk des Bombenentschärfers bei uns!“
Dieser Job sah so lukrativ aus. Die Regierung hatte Millionen investiert, um mehr Experten auszubilden. Wir hatten alle möglichen Tests machen müssen, bevor wir überhaupt anfangen konnten, vor allem psychologische Tests über unsere Einstellungen. Wäre ja etwas gedankenlos von der Regierung, potentielle Terroristen auszubilden. Aber so was bin ich nicht. Könnte ich auch nie sein. Es gibt einfach zu viel Nervenkitzel beim Arbeiten mit Bomben. Und es wäre auch ein bisschen enttäuschend für mich, wenn ich mich schließlich inmitten von vierzig Jungfrauen wiederfinden würde. Für die ganze Ewigkeit. Oh Gott.
Sie sagten mir, ich sei die erste Frau, die das komplette Training absolviert hätte und sie erzählten immer wieder davon, dass Frauen nicht von Rot-Grün-Blindheit betroffen und dass sie viel vorsichtiger und bedachter seien. In der Tat hatte ich jedoch meine eigene Rot-Grün-Blindheit. Ich konnte mich nie zwischen den beiden entscheiden. Wenn die wüssten, dass es jetzt mehr ein Raten war! Oh, zehn Sekunden. Ich sollte mich besser beeilen. Ich umschloss das grüne Kabel mit den Greifarmen der Zange, atmete tief ein und knipste es durch. Die Digitalanzeige der Uhr kam zum Stillstand. Nichts passierte.
Plötzlich hörte ich, wie alle um mich herum ihren angehaltenen Atem herausließen. Dann begannen sie zu applaudieren. Ich legte die Zange auf den Boden, wischte meine feuchten Hände an meiner Jeans ab und sah auf.
„Sehr gut, Frau Stone“, begann der Prüfer. „Herzlichen Glückwunsch. Sie sind jetzt staatlich geprüfte Bombenentschärferin.“ Er kam und schüttelte meine Hand. „Sie waren sehr präzise in ihren Handlungsschritten. Gut gemacht! Eine Sache nur noch: Sie müssen nicht bis zur letzten Sekunde warten, bevor Sie die Bombe entschärfen. Es ist ja nicht so, dass wir hier in einem Film sind.“ Er schmiss sich über seinen eigenen Witz weg. Nachdem er sich beruhigt hatte, ergänzte er in sachlicherem Ton: „Denken Sie daran, sie können jederzeit mit unseren Dummys üben.“
Mit großem Dankeschön an Lascha
für die Idee und die Kooperation


Dyschromatopsia

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Red or green? I looked left and right in the hope of finding someone who could help me, but I knew there was no-one but me. I felt the sweat running down my face. Red or green? If it was pesto I would choose red, if it was a traffic light I would prefer green.
I looked at the digital clock that was attached to the apparatus. Two minutes left. I needed to hurry. Okay, let’s double-check. This model was an Alphatrinitrix12 and I did pull lever C, then I switched button Y. It was the cables now. Definitely. Just this one decision. I put the pincers closer to the green cable. It should be the green one.
I never realised how heavy this job would be. It was like being a goddess, deciding over life or death, including my own. I remembered the billboard adverts from the government. There were two cables just like these ones on it. “Do you hate fireworks? Then you’re our Wo/Man! Train as a bomb disposal expert with us!”
This job looked so profitable. The government had put in millions to train more experts. We needed to do all sorts of tests before we could even start, especially psychological ones about our attitudes. It would be a bit mindless from the government to train potential terrorists. But I’m not. I could never be. There’s just too much thrill in working with bombs. And it would be a bit disappointing to find myself among forty virgins after all. For eternity. Oh god.
They told me I was the first girl to complete the whole training and they were going on about how women did not suffer from red-green blindness and how we were more careful and considering. In fact, I had my own red-green-blindness. I could never decide between the two. If they knew I rather guessed it must be the green cable now! Oh, ten seconds. I better hurry. I put the pincers around the green cable, breathed deeply and cut it. The digits on the clock stopped. Nothing happened.
Suddenly I heard how everyone around was releasing the breath they had been holding. Then they started to applaud. I lay the pincers on the ground, wiped my wet palms on my jeans and looked up.
“Very well, Miss Stone”, the examiner started. “Congratulations. You are now a state-approved bomb disposal expert.” He came to shake my hand. “You were very precise in what you did. Well done! Just one more thing: you don't have to wait until the last second before you disarm the bomb. It's not like you are in a movie or something.” He started to crack up about his own joke. When he had calmed down he added: “Remember you can practise with our dummies anytime you want.”
With lots of thanks to Lascha
 for the idea and the cooperation

Dienstag, 15. Mai 2012

Ein Schatz im Bücherregal


„Wie kommt’s denn, dass du das jetzt liest?“, wurde ich gefragt, nachdem ich meinen aktuellen Schmöker erwähnt hatte. Eine adäquate Antwort wäre vielleicht: „Als Stevenson es geschrieben hatte, war ich noch Quark im Schaufenster. Deshalb kann ich es ja jetzt erst lesen.“
Die Anspielung galt natürlich – zurecht – der Tatsache, dass ich mit „Die Schatzinsel“ (1883) mal völlig aus dem Rahmen falle. Keine vermeintliche Frauenliteratur, nichts aktuelles. In der Tat hatten und haben aber schon immer auch einige Klassiker mein Bücherregal bevölkert, jedoch bin ich gut darin, sie von rechts nach links zu schieben und stattdessen die moderneren Bücher zu bevorzugen. Aber wenn ich in der rechten Stimmung bin, erwarte ich auch mit Spannung, was die alten Klassiker zu bieten haben. Und offenbar war ich in diesem Fall in der perfekten Stimmung, denn ich war absolut begeistert und positiv überrascht.
Es geht um den jungen Jim Hawkins, dessen Vater in einer englischen Küstenstadt eine Schenke betreibt. Er erlebt mit, wie plötzlich ein seltsamer Besucher aufkreuzt und sich langfristig in die Pension einmietet. Der alte Seemann will mit ‚Kapitän’ angesprochen werden und ist lieber abseits des Geschehens, fern von Menschen. Er beauftragt den Jungen für ein paar Penny im Monat nach einem einbeinigen Matrosen Ausschau zu halten und ihn sofort darüber zu informieren, wenn er ihm begegnet. Während der ‚Kapitän’ weiterhin einen Rum nach dem anderen trinkt, obwohl der Arzt Dr. Livesey ihm davon abrät, verschlechtert sich der Gesundheitszustand von Jims Vater. Es taucht ein grausiger Blinder, der „schwarze Hund“ auf, der Jim zutiefst verängstigt und auch dem ‚Kapitän’ mehr als nur einen Schrecken einjagt. Der Seemann erleidet einen Schlaganfall und sowohl Jims Vater als auch der ‚Kapitän’ sterben zu Beginn des Buches. Weil der ‚Kapitän’ noch nicht alle Rechnungen beglichen hatte, öffnen Jim und seine Mutter seine große Seemannstruhe um sich das Geld zu holen. Aber der „schwarze Hund“ und ein paar andere Halunken haben dasselbe vor und so müssen Jim und seine Mutter fliehen. In letzter Sekunde greift Jim noch ein eingewickeltes Päckchen aus der Truhe als Gegenwert, weil sie nicht die vollständige Rechnungssumme abgezählt haben.
Sie fliehen und verstecken sich vor denen, die ebenfalls hinter dem Inhalt der Truhe her sind. Es offenbart sich, dass das kleine Päckchen natürlich eine Schatzkarte enthält, die die genaue Position einer entfernten Insel darlegt und einen Schatz auf deren Topographie verzeichnet. (In meiner Ausgabe fehlte leider die Karte der Insel, aber im Netz und sicher auch in anderen Ausgaben ist sie einsehbar).  
Trelawney, der Gutsherr, und Dr. Livesey beschließen eine Expedition zu dieser Schatzinsel aufzustellen, zu der auch Jim als Kajütenjunge mitkommen soll. Sie heuern Seemänner in Bristol an, unter anderem einen Koch namens ‚der lange John Silver’, der – wie es nicht besser hätte sein können – einen Papagei namens Kapitän Flint auf der Schulter trägt. Obwohl er nur noch ein Bein besitzt, hat er rein gar nichts mit der Schreckgestalt gemeinsam, die sich Jim von den Erzählungen des ‚Kapitän’ ausgemalt hatte. Und so weckt sein Auftreten keine Zweifel bei Jim – zumindest zuerst nicht.
Das Abenteuer nimmt seinen Lauf, als die Mannschaft in See sticht und nicht zuletzt, als es endlich heißt „Land in Sicht“.
Robert Louis Stevenson, der Autor von „Der seltsame Fall von Dr. Jeckyll and Mr. Hyde“, hat mit „Die Schatzinsel“ einen zeitlosen und fesselnden Abenteuerroman geschaffen. Ich habe sehr bewundert, wie er es immer wieder geschafft hat, die Spannung aufrecht zu erhalten. Denn sobald sich ein Spannungsbogen dem Ende neigte, war der nächste längst angelegt. Auch die Figuren sind sehr bildlich beschrieben. Man kann ihn förmlich riechen: den Rum, die Meeresluft, die Gier.
Einzige Längen, die es beim Lesen gab, betrafen die Beschreibungen von z.B. dem Segelhandwerk oder der Inseltopographie, was vermutlich daran liegt, dass ich einige Begriffe nicht kannte und bisher weder viele Abenteuerfilme noch –Bücher gelesen habe.
Die Geschichte ist in der Perspektive von Jim verfasst, der gemäß eines Siebzehnjährigen eine leicht verständliche Sprache verwendet. Nur an einer Stelle bricht die Erzählung ab und wird von Dr. Livesey weitergeführt, um den Leser zu informieren, was Livesey und die anderen erleben, als Jim von ihnen getrennt ist. Dieser Perspektivwechsel war für mich unverhofft zäh und hat mich aus dem angenehmen Lesefluss herausgerissen. Umso froher war ich, als ich feststellte, dass Jim bald weitererzählen sollte.
Fazit: Eine wunderbar abenteuerliche Geschichte mit grandiosen Spannungsmomenten und genial konzipierter Handlung! Völlig zurecht ein Klassiker der Weltliteratur.
Geeignet für: Reiselustige und Bücherregal-Schatzentdecker
Mehr z.B. hier (oder günstig als E-Book zu erwerben).